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Sophie Kirchner - Fotografin

Sophie Kirchner – Fotografin

Liebe Sophie, erzähle uns ein bisschen über dich. Wie sieht dein persönlicher Weg aus?

Ursprünglich bin ich ein Innergebirgsmädl, wie wir so schön im Pongau (Salzburg) sagen. Aufgewachsen bin ich in Flachau. 2009 hat mich mein Weg nach Wien geführt. Zuerst mal bisserl ausprobieren, dachte ich mir, und habe begonnen Theater Film und Medienwissenschaften zu studieren. Das Medium Fotografie hat sich bei mir langsam zu entwickeln begonnen. Mit 18 bekam ich von meiner Mutter meine erste Kamera – eine Olympus.

In der Sommerakademie in Hallein bin ich 2009 durch eine Teilnehmerin,  die ich dort kennen lernte, auf die Graphische in Wien aufmerksam geworden und habe mich beworben. Nach 2 Jahren Studium, ein halbes Jahr Neuseeland, einem Praktikum in Berlin bei Shotview und einem kurzen Abstecher auf eine FH habe ich mich entschlossen, es als selbstständige Fotografin zu versuchen. Ich bin froh, so naiv an die Selbstständigkeit herangegangen zu sein und auch das ich nicht daran gescheitert bin.

 

Sophie Kirchner - Fotografin

Magst du uns von deinen größten Hürden auf diesem Weg erzählen?

Ich glaube, meine größte Hürde ist nach wie vor die eigene kritische Selbstwahrnehmung, die ich immer wieder überwinde und die sich dann doch noch hin und wieder in meinen Weg stellt. Durch das ständige vergleichen mit anderen Fotografinnen und Fotografen, vor allem auf Instagram, ist man ständig im Kampf mit sich selber und der eigenen Kunst. Dann muss ich wieder Abstand nehmen und die App auch hin und wieder löschen, vor allem wenn ich nach Hause in die Berge fahre oder auf Urlaub.

Mittlerweile bin ich aber so weit, dass ich versuche nicht immer Kritik an mir selber zu sehen, sondern dieses Vergleichen als Tool zu nutzen, um mich von Kolleginnen und Kollegen inspirieren zu lassen. Also quasi diese Energie umzulenken und in mein eigenes Schaffen zu integrieren.

Ein anderes Thema ist für sich selber einzustehen und sich nicht alles gefallen zu lassen. Ich habe viel assistiert und einige Fotograf*innen haben diese Position ziemlich ausgenutzt und ein Arbeitsklima geschaffen, das weit von gut entfernt war.

Was ich daraus gelernt habe ist, dass ich als Fotografin nie so sein möchte und mein Team nie so behandeln will. Meine beste Freundin Susi (Supersusi) und ich haben mal Preise verglichen und unser Tagessatz war weit unter dem unserer männlichen Kollegen. Deshalb finde ich, ist es insbesonders für uns Frauen wichtig, offen untereinander über Honorargestaltung zu sprechen, auch mit den Männern, damit man so auf ein Preislevel kommt, wo man sich wohl fühlt und auch den Wert der eigenen Arbeit rechtfertigt. Dann wäre da noch das Vertrauen.

Das Vertrauen von Seiten der Kunden darauf, dass auch Frauen auf die höchsten Berge steigen können, um eine tolle Story zu schießen. Nach wie vor werden meiner Meinung nach noch immer Männer für solche Jobs bevorzugt. Ich könnte ewig über dieses Thema sprechen, weil es mich so sehr beschäftigt, aufregt und berührt und ich immer wieder nach Lösungen suche, damit am Besten umzugehen.

 

Sophie Kirchner - Fotografin

Wie siehst du Frauen* durch deine Linse?

Ich liebe es, Frauen* in natürlichem Licht zu fotografieren und am besten in einem unbeobachteten Moment abzudrücken. Deshalb ist es mir wichtig, bei einem Termin oder am Set eine gute Atmosphäre zu schaffen oder sich einmal davor zu treffen und sich kennen zu lernen. Das Gespräch ist wahnsinnig wichtig für mich, weil ich weiß, dass für manche der Weg zum/zur Fotografen/In vergleichbar mit dem Weg zum Zahnarzt ist; da zähl ich mich selbst dazu. Leider hat man nicht immer Zeit sich davor lange zu unterhalten, vor allem bei Interviews nicht. Für mich sind im Grunde alle Menschen schön und interessant.

Deshalb bin ich auch ein großer Fan von Streetcastings. Ich habe schon öfter Frauen wie Männer einfach in Cafes oder auf der Straße angesprochen und ihnen gesagt, dass sie schön sind und ob ich sie mal fotografieren könnte und die meisten haben Ja gesagt 🙂 .

 

Wie erlebst du “women support women” in deinem Umfeld?

In unserem neu eröffneten Studio (Pretty Shitty Studios) im 16. Wiener Gemeindebezirk sind wir insgesamt 10 Frauen und 4 Männer. Was großartig ist, weil wir uns immer wieder austauschen, uns beraten, fachsimpeln und uns gegenseitig helfen können. Der kreative Input ist immens und meistens ist immer irgendjemand da, den man um seine Meinung fragen kann.

Und unsere Burschen sind natürlich auch großartig 😉

 

Sophie Kirchner - Fotografin

Hast du Frauenvorbilder?

Definitiv! Da wäre vor allem mein Innrer Girls Circle: starke Frauen unterschiedlichen Alters, die mich in- und auswendig kennen und immer da sind, wenn ich sie brauche und natürlich umgekehrt. Zum Glück erweitert sich dieser Kreis gefühlt jeden Monat 🙂

Ich liebe die Bilder von Elfie Semotan, eine großartige Frau, die ich auch schon einmal kennen lernen durfte. Und Fran Lebowitz, die ich erst kürzlich entdeckt habe.  Natürlich meine Mama – Mamas darf man nie vergessen, auch wenn sie nicht immer einfach sind.

 

Wer oder was inspiriert dich?

Mich inspirieren gute Gespräche, Situationen zum Verzweifeln, die Berge vor der Haustür, eine gute Skitour, Sonnenschein und gute Wellen, aber auch der Regen hat was.

 

Sophie Kirchner - Fotografin

Hast du Tipps oder Rituale, um gut durch die Lockdown Phasen zu kommen?

Hin- und wieder nicht Nachrichten schauen. Backgammon und Rummy Cup.
Jeden Tag an die frische Luft zu gehen, so oft es geht in die Berge zu fahren, ganz hoch rauf zu steigen, bis einem die Luft kurz wegbleibt, einatmen, ausatmen, die Kälte und Wärme gleichzeitig spüren, in einen kalten Bach springen (oder die Donau), ein gutes Buch lesen, gutes Essen und ab und zu ein Glaserl Wein trinken und nicht zu vergessen viel zu lachen.

Sophie, vielen lieben Dank!

 

Fotos Portrait Sophie: Susanne Einzenberger

Fotos: Sophie Kirchner

sophiekirchner.at

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