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Bettina Schuler – Autorin, Yogalehrerin und Gründerin

Liebe Bettina, stell dich doch unseren LeserInnen kurz vor, was machst du so in deinem beruflichen Leben?

Ich bin Buchautorin, Journalistin, Yogalehrerin und Gründerin der gemeinnützigen Organisation Citizen2be, die trauma-informiertes Yoga für Frauen anbietet. Hört sich mehr an, als es ist.

Wofür möchtest du dir mehr Zeit nehmen?

Zum Schreiben. Und für meine Freund*innen.

Wann hast du zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht? Und was war das?

Ha, das war sogar erst in diesem Jahr. In den Winterferien habe ich gemeinsam mit meiner Tochter Snowboardfahren gelernt und musste mir selber eingestehen, dass ich mit meinen 44 Jahren leider etwas länger dafür brauchen werde, als sie und auch nicht mehr so elegant falle. Meine Knie sahen danach aus wie ein bunter Flickenteppich.

 

Bettina Schuler - Autorin, Yogalehrerin und Gründerin

Wer oder was inspiriert dich?

Ein Vorbild im klassischen Sinne habe ich nicht. Ich finde, es gibt zahlreiche großartige Frauen wie Alexandria Ocasio-Cortez. Prinzipiell habe ich ein Problem mit diesem Konzept. Ich glaube, es ist besser bei sich zu bleiben, als irgendjemanden auf ein Podest zu stellen. Meine größte Antriebsfeder ist mein Sinn für Gerechtigkeit und das Bewusstsein, dass ich allein schon qua meiner Geburt, ohne jemals etwas dafür getan zu haben, zu den privilegiertesten Menschen auf diesem Planeten zähle, weshalb ich auch eine gewisse soziale Verantwortung habe, mich für andere einzusetzen.

 

Konkurrenz vs. Support unter Frauen – welche Erfahrungen durftest du sammeln?

Die ganze Bandbreite. Gerade als ich jünger war, haben die negativen Erfahrungen leider überwogen. Frauen tun sich leider immer noch sehr schwer damit, sich gegenseitig zu unterstützen. Der Konkurrenzgedanke steht sehr schnell im Raum. Auch oder gerade bei den Yogis. Mir persönlich ist Loyalität unglaublich wichtig. Das man zu seinem Wort steht und für seine Worte und Taten die Verantwortung übernimmt. Und nicht bei jeder erstbesten Gelegenheit wieder woanders zusagt oder bei einem anderen Projekt mit am Start ist. Zum Glück habe ich bei Citizen2be eine wunderbare Gruppe von Frauen um mich, die genauso denken. Ansonsten würden wir das alles auch gar nicht stemmen können. Dafür bin ich unendlich dankbar und wenn es mal wieder nicht so läuft, wie ich mir das vorgestellt hab, hilft mir dieses Wissen dabei weiterzumachen.

 

Bettina Schuler - Autorin, Yogalehrerin und Gründerin

Was bedeutet Weiblichkeit für dich?

Wärme, Verbundenheit, Sensibilität.

 

Frau-Sein – welche Rolle spielt dieses Thema in deinem Leben, in deiner Arbeit?

Primär bin ich ein Mensch. Das Geschlecht ist für mich erstmal nebensächlich. Bei Freundschaften ebenso wie bei der Liebe. Ich persönlich tue mich auch sehr schwer mit Konzepten wie Frauenzirkeln oder ähnlichem. Auch, wenn ich weiß, dass wir uns noch mehr zusammenschließen müssen, wenn wir etwas in der Gesellschaft und in der Berufswelt ändern wollen.

Ich würde mir nur wünschen, dass wir die Männer dabei mehr miteinbeziehen. Denn zum Glück gibt es ja einige, die Emanzipation als ebenso wichtig wie wir Frauen erachten. In meinem Freundeskreis wird in letzter Zeit sehr viel darüber gesprochen, dass wir mehr in unsere Weiblichkeit kommen müssen. Auch damit tue ich mich schwer. Denn mir geht es darum, dass wir alle wieder mehr in unsere Menschlichkeit kommen, ganz gleich, zu welchem Geschlecht wir gehören. Das wir spüren, dass wir eine Gemeinschaft sind, der es nur gemeinsam gelingen kann, diesen Planeten zu retten.

 

Bettina Schuler - Autorin, Yogalehrerin und Gründerin

Welches war das schönste Kompliment, das dir jemand gemacht hat?

Du hast ein gutes Herz.

 

Wenn du eine Sache auf der Welt verändern könntest, was wäre das?

Ich würde weltweit eine Postwachstumsökonomie einführen, die auf Nachhaltigkeit, Wiederverwertung und Reduktion des Konsums setzt, in der regenerative Techniken wie Yoga, Mediation und gewaltfreie Kommunikation eine wichtige Rolle spielen und im besten Fall bereits in den Schulen vermittelt werden. Eine Gesellschaft, in der das Glück der Menschen nicht mehr am Bruttoinlandsprodukt, sondern an ihrer physischen und psychischen Gesundheit und Zufriedenheit gemessen wird und in der das WIR über dem Ich steht.

Aber wünschen wir uns das nicht alle?

 

Herzlichen Dank liebe Bettina!

 

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