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Maria und Anna Ritsch - Fotografinnen und Artist Duo

Maria und Anna Ritsch – Fotografinnen und Artist Duo

Liebe Maria, liebe Anna! Erzählt uns ein bisschen über euch. Was macht ihr beruflich und seit wann arbeitet ihr zusammen?

Maria: Wir sind Schwestern, geboren und aufgewachsen in Vorarlberg. Anna lebt und arbeitet seit 2008 in New York City. Ich lebe und arbeite in Wien. Als Schwestern “arbeiten” wir eigentlich schon zusammen, seitdem wir Kinder sind. Verkleiden, inszenieren, experimentieren und das Ganze fotografisch festhalten – das hat bei uns schon sehr früh begonnen.

Anna: Unsere Eltern haben selbst sehr viel fotografiert, daher gab es immer Kameras und Filme im Haus. Als die Ältere war ich oft die, die das Kommando angab und hinter der Kamera stand. Maria hat damals vor allem die Rolle des Models und der Muse übernommen und so ihren Teil beigetragen. Sie war immer “up for it”, auch für fragwürdig Experimente, Haare färben und dergleichen, und hat immer ihre eigene Kreativität eingebracht.

Maria: Für mich war das ganz normal. Ich war zu jeder Zeit für alles bereit! Es war aufregend und spannend, auch wenn ich retrospektiv manche Haarexperimente nicht so toll fand. Fotoshootings haben wir dann auch gerne mal zu Tanzperformances ausgeweitet. Erst als wir zum Studieren in andere Städte gezogen sind, wurden die gemeinsamen Inszenierungen vorübergehend seltener.

 

Maria und Anna Ritsch - Fotografinnen und Artist Duo

 

Anna: Den kreativen und künstlerischen Austausch gab es dann aber dennoch immer wieder durch zahlreiche Besuche oder gemeinsame Reisen. Die Rollenverteilung blieb aber meistens so, wie sie schon in unserer Kindheit war.

Maria: Das mit der Rollenverteilung ist heute anders. Seit einem Jahr arbeiten wir an einem Gemeinschaftsprojekt, das wir 2020 umsetzen wollen. Wir wollen als Artist Duo auftreten, das gemeinsam an Projekten arbeitet, als kreatives Team. In Zukunft werden wir auch unter einem gemeinsamen Namen auftreten. Ihr könnt also schon gespannt sein.

 

Anna: Im Jänner war Maria einen Monat bei mir in New York City. Es war eine gute Zeit, um den Startschuss zu geben, die Rollenverteilungen auch mal umzudrehen, gemeinsam zu fotografieren, einen Workflow zu entwickeln.

Maria: Die gemeinsame Zeit mit Anna ist immer sehr inspirierend. Es fühlt sich sehr gut an, die verschiedenen Rollen untereinander aufzuteilen und es freut mich, dass sich trotz Corona-Lockdown schon das ein oder andere Projekt anbahnt. Derzeit arbeiten wir zum Beispiel an einer gemeinsamen Ausstellung in unserer Heimatstadt Dornbirn. Darauf freuen wir uns schon sehr. Detail dazu können wir aber erst in ein paar Monaten preisgeben.

 

Maria und Anna Ritsch - Fotografinnen und Artist Duo

Wie sieht euer persönlicher Weg aus?

Anna: Nach der Matura habe ich ein Jahr Auszeit genommen und bin durch Frankreich, Spanien und Marokko gereist, in einem Van, mit meiner analogen Nikon – das waren noch pre Smartphone times. Damals gingen dann alle meine Freunde nach Wien zum Studieren, und somit ich auch. Fotografie war schon immer präsent für mich, schon während meiner gesamten Schulzeit. Mir wurde dann relativ rasch klar, dass ich in diesem kreativen Bereich weiterlernen wollte. Allerdings war das damals gar nicht so einfach in Wien. Fotografie war in den frühen 2000ern noch nicht so populär wie heute, und das Studienangebot in dem Bereich war sehr limitiert. Ich war kurz davor, Psychologie zu studieren – was mich auch heute noch fasziniert. Schlussendlich wurde es dann allerdings doch das Fotografie Studium an der Graphischen in Wien. Nach meinem Abschluss bin ich für ein Praktikum bei einem Modefotografen nach New York City gegangen. Die Stadt war so faszinierend, interessant und zugleich extrem fordernd – einfach spannend. Visuell und künstlerisch hat diese Erfahrung eine komplett neue Welt eröffnet. Ich hab beschlossen, etwas länger dort zu bleiben und als Fotografin zu arbeiten. Das war 2008 und ich bin immer noch hier.

 

Maria: Ich bin nach meiner Matura auch nach Wien gezogen. Etwas orientierungsloser als Anna, studierte ich dann Kunst- und Kommunikation auf der Akademie der Bildenden Künste und Spanisch auf Lehramt. Auf der Akademie belegte ich sehr viele Kurse im Bereich Fotografie und Grafik. Da Anna schon die Fotografin in der Familie war, war es für mich nicht so leicht, meine Leidenschaft für die Fotografie offen auszuleben und zu fördern. Da stand immer ein Konkurrenzgedanke zu meiner Schwester im Raum. Ich entschied mich daher, einen zusätzlichen Fokus auf Grafikdesign zu legen, da es sich auch leicht mit Fotografie verbinden lässt. Nach dem abgeschlossenen Studium unterrichtete ich für zwei Jahre in einer AHS in Wien. Doch bevor ich überhaupt anfing, wusste ich insgeheim schon, dass das Unterrichten nicht das war, was ich in meinem Leben machen wollte. Ich studierte dann nebenbei zusätzlich Grafikdesign und fing an, verschiedenen Fotografinnen und Fotografen in Wien zu assistieren. Obwohl das Fotografieren ein Konfliktthema zwischen uns Schwestern war, konnte ich es nicht unterdrücken, da mir sonst ein wichtiges Ausdrucksmittel gefehlt hätte. Ich spielte mit dem Gedanken, nach Berlin zu ziehen, doch dann bekam ich ein Stipendium für künstlerische Fotografie und kleinere Aufträge in Wien und Vorarlberg, sodass ich bis jetzt noch immer in Wien bin. Ich spiele aber immer wieder mit dem Gedanken, für eine gewisse Zeit in eine andere große Stadt wie Berlin, Paris oder New York zu ziehen.

 

Sind aus der Quarantäne neue Projekte und Ideen entstanden? Wie habt ihr eure Kreativität in der COVID19-Zeit fließen lassen?

Maria: Wir haben einen gemeinsamen Instagram Account @annamariaritsch, auf dem wir momentan einen Instagram-Story Austausch zwischen New York City und Wien machen, eine Art Foto-Ping-Pong. Anna postet ein Foto oder Video und ich antworte darauf mit einem Foto oder Video usw.

Anna: Wir wissen nicht, wann es wieder möglich sein wird zu reisen, gemeinsam am gleichen Ort zu sein, darum experimentieren wir gerade an virtuellen Alternativen der Zusammenarbeit und eines kreativen künstlerischen Austausches. Spannend.

Maria und Anna Ritsch - Fotografinnen und Artist Duo

Konkurrenz vs. Support – habt ihr Erfahrung damit und wie geht ihr damit um?

Anna: Konkurrenz ist ja schon bei Schwestern ein Thema, die nicht den gleichen Beruf ausüben. Das verstärkt sich klarerweise, wenn man mit der selben Sache erfolgreich sein will. Bei uns war das sicherlich der Fall. Ich denke, dass das Thema Konkurrenz gerade in kreativen Berufen, in denen man sich auf einem ohnehin schon übersättigten Markt ständig beweisen und behaupten muss, noch stärker präsent ist.

 

Maria: Trotz Konkurrenzgefühlen haben wir uns auch immer unterstützt. Ich kann mich noch erinnern, dass Anna mir sogar ihre alten digitalen Spiegelreflex Kameras gegeben hat, um damit zu experimentieren. Ich schenkte ihr dann im Gegenzug wieder analoge Kameras. Ich konnte Anna auch bezüglich fotografischer und künstlerischer Fragen immer kontaktieren und auf ihre ehrliche Meinung und Kritik zählen. Andersrum ebenso.

 

Anna: Wir haben sehr viel daran gearbeitet. Für mich war es um einiges schwerer, als für Maria, da einfach die Stellung in der Familie schon einen starken Einfluss auf die Situation hatte. Ich stand damals unter einem enormen Druck in New York zu leben und meinen Unterhalt mit Fotografie zu verdienen. Und dann das Gefühl zu bekommen, von meiner eigenen Schwester (in meinen Augen) ‘kopiert’ zu werden, war dann noch ein zusätzlicher Stress, was sich aber mittlerweile gelöst hat.

 

Maria: Es gab ein Jahr, indem wir aufgrund gewisser Themen keinen Kontakt miteinander hatten. Ich hatte Angst, dass wir so unsere Nähe verlieren würden. Rückblickend war diese Zeit aber auch essentiell für die Entwicklung von uns beiden. Wir haben uns beide vollkommen auf uns alleine konzentriert, unabhängig von der Meinung der Anderen und konnten so noch fokussierter unsere eigenen Identitäten, Interessen, Perspektiven und Standpunkte entwickeln.

 

Was war in eurer Zusammenarbeit die größte Herausforderung?

Das Ego loszulassen und trotzdem die individuelle Persönlichkeit zu behalten.

 

Maria und Anna Ritsch - Fotografinnen und Artist Duo

Wie findet ihr zu euch selbst? Habt ihr Rituale?

Maria: Ich versuche jeden Tag eine Yogaeinheit, Meditation oder Atemübung in meinen Alltag zu integrieren. Das ist die Zeit am Tag, wo ich bewusst bei mir selbst sein kann.

 

Anna: Für mich ist Yoga und Meditation ebenso ein essentieller Teil meines Alltags.

Auch Tanz war immer schon ein wichtiger Ausgleich für mich. Zeitgenössischer Tanz bekam später auch für Maria ein Schwerpunkt und ist mittlerweile für uns beide eine Hauptinspirationsquelle, sowohl für unsere eigene Körperwahrnehmung, als auch für die künstlerische Arbeit.

 

Maria und Anna Ritsch - Fotografinnen und Artist Duo

 

Maria: Wenn ich eine Pause von allem brauche, spiele ich gerne Klavier. Beim Klavierspielen kann ich an nichts anderes denken; dann gibt es nichts als einen Dialog zwischen den Klängen meiner Tastenanschläge und meinen Emotionen. Das beruhigt mich und gibt mir Kraft.

 

Anna: Wasser ist für mich ein sehr wichtiges Element. Es hat eine ganz eigene beruhigende Energie, obwohl es ständig in Bewegung ist. Ich liebe es, von meiner Wohnung zum East River hinunter zu spazieren, dort zu sitzen und das Wasser auf mich wirken zu lassen. Es hilft mir, wieder einen klaren Kopf zu bekommen und Freiraum zu schaffen.

 

Wofür möchtet ihr euch mehr Zeit nehmen?

Maria: Ich denke, da möchten wir beide das Gleiche: Mehr Zeit für persönliche künstlerische Arbeiten und natürlich Reisen – sobald COVID-19 es wieder erlaubt.

 

Was bedeutet Weiblichkeit für euch?

Maria: Stärke, giving life, Lebendigkeit.

Anna: Ich sehe eine große Kraft darin, die männlichen und weiblichen Seiten, die wir alle in uns tragen, zu balancieren.

 

Maria und Anna Ritsch - Fotografinnen und Artist Duo

Wer oder was inspiriert euch?

Maria: Das Leben, alltägliche Momente.

Anna: Begegnungen mit Menschen, Tanz und Performance.

Maria: Kunst, Architektur, Design, Film und Musik.

Anna: “paying attention to little details and moments in life that spark an idea.”

 

Wenn ihr eine Sache auf der Welt verändern dürft: Was wäre das?

Anna: More empathy…

Maria: ..and kindness.

 

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Was ist der beste Rat, den ihr je erhalten habt?

Anna: Hier ein paar Inputs, die uns Beiden über die Jahre wichtig geworden sind und wir immer wieder versuchen in unseren Alltag zu integrieren:

  • Sehen, aufmerksam zuhören und versuchen “empathisch und respektvoll zu sein”, sowohl anderen als auch sich selbst gegenüber.
  • to always keep learning.
  • Wahrnehmen, akzeptieren und loslassen.

 

 

Herzlichen Dank ihr Zwei!

 

Fotos: Tony Farfalla, Anna Ritsch, Maria Ritsch

 

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