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Susanne Einzenberger – Fotografin / Ausstellung SIE

Liebe Susanne, stell’ dich unseren Leserinnen doch einmal kurz vor. Wer bist du, wo lebst du und was treibst du?

Mein Name ist Susanne Einzenberger, die meisten nennen mich aber Susi oder mittlerweile auch schon Supersusi. Ich bin Fotografin, komme aus Oberösterreich und lebe und arbeite seit 11 Jahren in Wien. Die Antwort auf die Lieblingsfrage eines jeden Fotografen „Was genau machst du?“ müsste bei mir lauten: Portraits, Reportage, Sport und Werbung. Aber eigentlich ist es mir egal, was ich fotografiere, solange die Kombination aus Licht und Farben und die Komposition passt.

 

Susanne Einzenberger - Fotografin

Wie sieht dein persönlicher Weg aus und wie bist du dorthin gekommen, wo du jetzt gerade stehst?

Die Kamera war bei mir schon immer Teil meiner Grundausstattung – die Familienfotos immer schon meine Angelegenheit. Nach einem Medientechnikstudium an der FH St.Pölten hat es mich nach Wien verschlagen. Anfangs hab ich mich gegen die Großstadt gewehrt, aber sie wurde schnell ein Teil von mir und hat mich sehr geprägt. Durch die weitere Ausbildung zur Fotografin an der Graphischen habe ich meine Liebe zur Fotografie vertieft und mich danach sofort in die Selbstständigkeit gestürzt. Ich könnte mir keinen anderen Job vorstellen.

 

Deine Fotoausstellung „SIE“ beschäftigt sich mit den Veränderungen des Körperbildes und dem Selbstbewusstsein von Frauen. Wie kam es zu dieser Idee und gibt es eine Message hinter der Ausstellung?

Das Projekt ist in den letzten 3 Jahren neben meiner Selbstständigkeit entstanden. Mich hat der weibliche Körper schon immer fasziniert und wie Frauen mit ihrer Selbstwahrnehmung, ihrem Schamgefühl oder eben Gelassenheit umgehen. Durch die Fotosessions und Diskussionen im Freundeskreis habe ich den weiblichen Umgang mit Nacktheit beobachten und analysieren können.

Ich glaube, dass sich jede/r mit Fragen konfrontieren sollte: Fühle ich mich wohl, wenn ich nackt bin? Warum / warum nicht? Und gibt es einen Zusammenhang mit meinem Selbstwertgefühl? Was hat mich in meinem Leben geprägt und wer waren meine Vorbilder?

 

Susanne Einzenberger - Fotografin

 

Zum einen wollte ich mit dem Projekt „SIE“, dass sich Frauen mehr mit ihrem Körper und dem Thema Nacktheit beschäftigen. So viele Frauen und auch Männer haben verlernt, nackt zu sein und fühlen sich nur mehr in Kleidung wohl, was völlig unnatürlich ist. Jedes Baby strahlt, wenn es nackt herumlaufen darf. Warum haben wir das verlernt?

Zum anderen wollte ich eine Bildwelt erschaffen, die sich von der unterscheidet, die wir kennen. Wenn wir an Bilder von nackten Frauen denken, sind es oft vulgäre oder sexualisierte Bilder, die uns in den Sinn kommen. Nicht weil wir alle so denken wollen, sondern weil wir es gewöhnt sind durch Medien, Werbung und Pornos. Es fehlen natürliche, echte, schöne Bilder, die wenig bis gar nicht inszeniert sind. Es gibt sowas wie eine „Alltagsschönheit“, die viel zu selten gesehen wird. Also hab ich jede dieser 15 Frauen besucht und in ihrem Zuhause, oder wo sie sich wohl fühlen, fotografiert.

 

Susanne Einzenberger - Fotografin

Susanne Einzenberger - Fotografin

Wie siehst du Frauen durch deine Linse?

Sobald ich meine Kamera auf einen nackten Körper richte, sehe ich nicht mehr die Person, mit der ich mich gerade noch unterhalten habe, sondern es ändert sich alles zu Formen, Farben, Licht, Schatten und Hautstrukturen. Die Kamera lässt eine solche Nähe zu, die gleichzeitig eine Distanz zu der Person schafft. Das ist etwas sehr Spannendes und deshalb liebe ich es, mit diesem Medium zu arbeiten.

Aus meiner Erfahrung ist es für die meisten auch zuerst ein bisschen komisch sich vor jemand anderen und vor allem vor einer Kamera auszuziehen, aber nach einer Weile wird diese anfangs komische Situation ganz normal weil jede/r merkt, dass eigentlich nichts dabei ist und man sich ganz normal verhalten kann.

Susanne Einzenberger - Fotografin

Susanne Einzenberger - Fotografin

Warum glaubst du fehlt es so vielen Frauen an Selbstakzeptanz?

Das glaub ich gar nicht. Ich glaube, sehr viele Frauen akzeptieren sich so, wie sie sind. Nur wird darüber halt nicht gesprochen und berichtet. Es stimmt schon, dass nahezu jede Frau was an sich selbst auszusetzen hat. Aber hast du schon mal mit Männern darüber gesprochen? Die finden genauso, dass sie ein paar Zentimeter am Bauch verlieren oder hier und da ein paar Muskeln aufbauen könnten. Nur sprechen die halt nicht ständig darüber, sondern behalten das eher für sich. Manche machen was dagegen, manche nicht. Aber es wird einfach nicht so aufgebauscht.

 

Vielleicht ist der Schlüssel zur Selbstakzeptanz weniger nachzudenken und sich mehr auf seine Sympathien, Fähigkeiten oder den eigenen Humor zu konzentrieren. Und vor allem alles blockieren, was einem einreden könnte, man müsste was an seinem Körper ändern: oberflächliche Frauenmagazine, einseitige Influencer oder Mitmenschen, die einem nicht gut tun.

 

Susanne Einzenberger - Fotografin

Susanne Einzenberger - Fotografin

Was war für dich bis jetzt die größte Herausforderung in deinem Leben?

Die Selbstständigkeit ist definitiv eine Herausforderung auf Dauer. Es ist wie eine Achterbahnfahrt mit vielen highs und lows. Aber ich fahre sehr gerne Achterbahn, ist mir lieber als mit einem 50er auf der Landstraße dahinzutuckern.

 

Wo findest du Inspiration?

Ich halte mich gerne draußen auf. Wenn ich keinen klaren Kopf habe, dann liegt das meistens daran, dass ich schon zu lange in der Stadt bin und dann muss ich raus. Am liebsten rauf auf die Berge, rein in den Wald oder, wenns die Zeit erlaubt, hin zum Meer. Die Natur erlaubt es einem, alles anderen für kurze Zeit zu vergessen und sich darauf zu besinnen, dass das Leben endlich ist und kleine Problem nicht so ernst zu nehmen sind.

 

Susanne Einzenberger - Fotografin

Vielen lieben Dank Susi!

Fotos: Marko Mestrovic

 

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