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Isabell, Luca und Lisa - Wiener Spielwut

Lisa, Luca und Isabell von Wiener Spielwut

Liebe Luca, liebe Isabell, liebe Lisa! Erzählt uns ein bisschen über euch, was führt euch drei zusammen?

Isa: Ich bin 2013 nach meinem Abitur nach Wien gezogen und haben in meinen ersten zwei Wochen hier Lisa kennengelernt, was wirklich großes Glück war. Ohne sie hätte ich niemals den Zugang zum Theater gefunden! Luca kenne ich aus dem Studium und über einige gemeinsame Freunde und wir wurden sehr schnell zu sehr guten Freundinnen. Ich glaube uns verbindet, dass wir alle drei Spaß am Organisieren und Planen haben und zudem auch eine sehr ähnliche ästhetische Vision. Es ist einfach leicht mit den beiden zusammenzuarbeiten!

Lisa: Alles, was Isa sagt, haha. Luca habe ich über Isa kennengelernt, weil sie sie damals in die Wiener Spielwut Crew geholt hat und dann ging das alles irgendwie ganz schnell, mit der Freundschaft und Zusammenarbeit. Inzwischen sind die beiden aus meinem Leben gar nicht mehr wegzudenken – privat wie beruflich.

Luca: Ich bin Luca, bald 26. Bald 6 Jahre in Wien. Bald (hoffentlich) mit meinem Psychologie Master fertig. Neben dem Studium und Nebenjobs nimmt Wiener Spielwut einen großen Teil meines Lebens ein. Zusammen führt uns wohl auch Wiener Spielwut. Aber nur an zweiter Stelle – an erster Stelle bringt uns eine sehr starke, innige female friendship zusammen.

 

Isabell, Luca und Lisa - Wiener Spielwut

Habt ihr eine gemeinsame Vision mit Wiener Spielwut?

Schön wäre es, wenn wir uns mit Wiener Spielwut in der Off-Theater Szene in Wien einen echten Namen machen könnten und sich die fünf Jahre Energie und Nerven endlich auch bezahlt machen würden, auch im wortwörtlichen Sinn. Dabei wollen wir uns immer weiterentwickeln und unterschiedliche Veranstaltungen kreieren, die über das klassische Theater hinausgehen.

 

Isabell, Luca und Lisa - Wiener Spielwut

Konkurrenz vs. Support – habt ihr Erfahrung damit und wie geht ihr damit um?

Luca: Ich glaube, der kreative Bereich ist sehr stark von Konkurrenzdenken geprägt – Kreativität ist etwas sehr Subjektives und lässt sich nur schwer messen. Dadurch entsteht sehr schnell die Angst, andere könnten einem überlegen sein.
Gerade unter Frauen entsteht Konkurrenzdenken schnell, weil wir gesellschaftlich so darauf gepolt wurden, dass es nicht genug Platz für uns alle gibt. Dabei ist Support so wichtig, oder gerade deswegen. Ich bin sehr dankbar, dass ich von den Menschen in meinem Leben so viel Unterstützung erhalte, die mir immer wieder Mut machen und meine Selbstzweifel leiser werden lassen.

 

Isa: Da kann ich Luca eigentlich nur zustimmen. Ich glaube außerdem, dass es schwierig ist, sich zu behaupten, wenn man keine offizielle Ausbildung in dem Bereich gemacht hat. Man würde ja denken, dass gerade in der Kreativbranche Abschlüsse an zweiter Stelle stehen, aber unter den KünstlerInnen fühle ich doch viel Konkurrenz, wer was auf seinem Lebenslauf nachweisen kann. Das ist manchmal sehr anstrengend. Auf der anderen Seite habe ich viele kennengelernt, die Lust haben, sich gegenseitig zu unterstützen und zu inspirieren, und dafür bin ich sehr dankbar! Manchmal überrascht es mich immer noch, wie nett einige sein können, obwohl sie aus dieser Branche kommen.

 

Lisa: Ich habe auch das Gefühl, das die kreative Branche hart umkämpft ist und man sich auch ständig vergleicht und immer das Gefühl hat, man sollte schon viel weiter sein und mehr erreicht haben. Ich denke, das machen wir mit Wiener Spielwut oft. Dann müssen uns immer wieder daran erinnern, dass wir unseren eigenen Weg gehen, der anders ist als bei “unserer Konkurrenz”. Ich habe aber das Gefühl, dass wir auch sehr viel Support über den Verein erfahren haben. Hätten wir nicht so viel Unterstützung von Freunden, Freundinnen und Familie gehabt, wären wir jetzt nicht da, wo wir sind. Das ist vielleicht sogar die schönste Erfahrung, die wir mit Wiener Spielwut machen durften – den unendlichen Support unserer Community.

 

Isabell, Luca und Lisa - Wiener Spielwut

Was war in eurer Zusammenarbeit die größte Herausforderung?

Luca: Eine Herausforderung ist auf jeden Fall die Balance zwischen Arbeit und Freundschaft zu finden. Wir sind alle sehr ehrgeizig und während wir uns als Freundinnen raten, mal langsam zu machen und sich Auszeiten zu gönnen, fällt es uns umso schwerer, genau diesen Rat zu befolgen. Freundinnen mit Arbeit “allein zu lassen” ist auf jeden Fall schwieriger, als es wäre, Arbeit an Kolleginnen abzugeben.

Lisa: Ja, stimmt. Wir raten uns eigentlich gegenseitig konstant, mehr Auszeiten zu nehmen und Arbeit abzugeben und machen es dann trotzdem nicht, haha.

Isa: Ich seh auch die “Work-Life-Balance” als größte Herausforderung. Manchmal sehen wir uns nur, um Dinge zu besprechen, die in der Arbeit anstehen, und vergessen darüber ganz, uns Zeit füreinander als Freundinnen zu nehmen. Da muss man manchmal aufpassen, wenn man sich mal “privat” sieht, dann nicht auch noch die ganze Zeit über Wiener Spielwut zu sprechen.
Ansonsten: Termine finden. Demnächst können wir wahrscheinlich anfangen, fürs Kaffeetrinken ein Doodle zu erstellen, weil wir alle so busy sind.

 

Wofür möchtet ihr euch mehr Zeit nehmen?

Lisa: Mehr Zeit für ausgiebige Brunches mit euch, solche, bei denen man den ganzen Tag sitzt und Prosecco und mehrere Runden Kaffee bestellt und nicht zu irgendwelchen Terminen wegrennen muss, sondern stundenlang sitzen bleibt. Und allgemein mehr Zeit für FreundInnen, Partner und Familie wäre schön. Und für meine Pflanzen.

Isa: Für mich selbst. Ich kann schlecht alleine sein und vergesse manchmal, dass ich mir auch mal Zeit nur für mich nehmen sollte. Ich würde wirklich gerne regelmäßiger zum Sport gehen oder auch mal etwas alleine unternehmen.

Luca: Ich würde mir gern mehr Zeit nehmen, um aktiv über meine Entscheidungen, aber auch Wünsche zu reflektieren. Und natürlich für kleine Getaways: mental genauso wie in Form von physischen Reisen.

 

Isabell, Luca und Lisa - Wiener Spielwut

Was bedeutet Weiblichkeit für euch?

Isa: Weiblichkeit ist für mich Stärke. Jede Frau interpretiert natürlich Weiblichkeit unterschiedlich für sich oder kann sich mit dem Wort vielleicht auch gar nicht identifizieren, aber ich finde, jede von uns hat diese Stärke.

Luca: Weiblichkeit ist für mich Vielfalt. Weiblichkeit ist für mich alles, was man als Frau eben sein will. Das ist für jede Frau wahrscheinlich etwas anderes.

Lisa: Ihr beide habt das eigentlich schon perfekt beschrieben. Weiblichkeit darf jede Frau für sich selbst definieren und es stimmt, wenn ich an Frauen und Weiblichkeit denke, denke ich auch irgendwie an eine pulsierende Stärke, die Frauen umgibt.

 

Isabell, Luca und Lisa - Wiener Spielwut

Wer oder was inspiriert euch?

Luca: Mich inspirieren Menschen, die unaufdringlich ihren eigenen Weg gehen. Menschen, bei denen ich das Gefühl habe, sie tun Dinge wirklich, weil sie sie für richtig oder wichtig halten und nicht, um anderen Menschen etwas damit zu beweisen.

Lisa: Ich bin inspiriert von Menschen, die an ihren Träumen festhalten, die nie aufgeben und immer weiter kämpfen und ihren eigenen Weg finden. 
Aber auch von Menschen, wie Sophia Bush oder dem Team vom Zentrum für politische Schönheit, die so unendlich klug sind, humorvoll und einen wichtigen Mehrwert für die Gesellschaft leisten, indem sie unaufhörlich für das Gute sind.

Isa: Eine ganze Reihe von Menschen wie Alexandra Stanic, Alli Neumann, Fynn Kliemann oder Philip Wang (Wong Fu Productions). Ich finde es immer wieder bewundernswert, wenn man für seine eigenen Werte einsteht und Dinge anpackt, anstatt nur darüber zu sprechen und in ganz kleinen Mini-Schritten versucht, die Welt ein bisschen (ins Positive) zu verändern.

 

Wenn ihr eine Sache auf der Welt verändern dürftet: Was wäre das?

Lisa: Eine Sache ist schwer. Ich habe das Gefühl, es gibt so viele Dinge, die man verändern müsste.

Isa: Dass sich alle Menschen ihrer Privilegien bewusst wären. Außerdem an manchen Stellen mehr Freiheit und mehr Unterstützung für junge Menschen, die etwas verändern wollen. Ich habe das Gefühl, dass einige wirklich gute Ideen hier in der Bürokratie ersticken.

Luca: Dass Unterschiede zwischen Menschen gefeiert und genutzt werden, um für alle die besten Bedingungen zu schaffen, anstatt sie als Ausrede zu nutzen, nicht alle gleich behandeln zu können.

 

Isabell, Luca und Lisa - Wiener Spielwut

Welches Buch hat euch auf eurem Weg inspiriert?

Luca: Von Pippi Langstrumpf über “Untenrum frei” von Margarete Stokowski alles, was mir den Glauben geschenkt hat, dass wir Frauen stark und fierce sind.

Isa: Ich könnte da jetzt ehrlich gesagt keins nennen, ich hatte nicht so wirklich einen Schlüsselmoment mit einem bestimmten Buch. Ich habe das Gefühl, wirklich inspiriert haben mich eher Blogger und interessante Persönlichkeiten auf Instagram/Youtube. Klingt vielleicht oberflächlich, aber das fühlt sich einfach näher an. Vielleicht ist das die Generation Z in mir, haha.

Lisa: Hanna Herbst, „Feministin sagt man nicht“. Das ist das letzte Buch, das ich gelesen habe und mir dabei dachte: „YES GIRL!“

 

Isabell, Luca und Lisa - Wiener Spielwut

Danke, ihr seid eine große Inspiration!

 

 

Allgemeine Infos

Wiener Spielwut ist ein im Mai 2018 gegründeter Kunst- und Kulturverein und dient als Plattform für Kulturschaffende, die sich künstlerisch in der Off-Szene Wiens entfalten wollen. Der Verein produziert und veranstaltet Theaterstücke, szenische Performances in Bars, Open-Stage- und Kurzfilm-Abende.

 

https://www.wienerspielwut.com/

instagram.com/wienerspielwut

 

Online Live Stream Vorstellungen von HÖHLENBRÜTER

inkl. Rahmenprogramm zum Thema Girl on Girl Hate:

24.4.20

26.4.20

29.4.20

 

Fotocredits: Nele Fierdag (3er Bilder), Jonathan Weidenbruch (Aufführungsbilder), Sabine Hödl (Perücken-Bild)