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Sabine Kriechbaum – Autorin und Produzentin

Liebe Sabine, erzähl uns ein bisschen über dich.

Wie sieht dein persönlicher Weg aus und wie bist du dorthin gekommen wo du jetzt gerade stehst?

Was mich erst mal sehr geprägt hat, ist, dass ich meine Kindheit und Jugend am Land in einem winzigen Weiler mit bloss drei Bauernhöfen verbracht habe, wo ich diese Einfachheit kennen lernen durfte, von der Bunker Roy im Film „But Beautiful“ spricht. Das ist eine Welt, wo es viel Zeit gibt und wenig Ablenkung, damals war das jedenfalls so, die mir sehr nahe ist und sogar ein Teil von mir und die ich sehr liebe. Gleichzeitig hat die Abgeschiedenheit am Land mich sehr, sehr neugierig auf die Welt gemacht, auf das Reisen und natürlich auf Kultur, die es dort, in meiner obersteirischen Heimat ja nur ganz wenig gab. Aber es gab sie doch. So habe ich mit 14 oder 15 Jahren begonnen, Saxophon zu spielen und wurde sofort eingeladen, meinen damaligen Lehrer in die kleinen Jazzclubs zu begleiten, was mir eine neue Perspektive eröffnete, weniger des eigenen Spielens wegen, als der tollen Musik, die ich dadurch kennen lernte. Und hier schließt sich der Kreis zu unserem aktuellen Projekt, in dem die Musik eine ganz große Rolle spielt.

 

Was machst du beruflich?

Parallel zu unterschiedlichen Lebensphasen hat sich bei mir auch der Beruf immer wieder verändert. Es gab nicht DIE Entscheidung und danach hat sich alles wie am Schnürchen ergeben. Eher umgekehrt. In jungen Jahren hab ich mich für das Architekturstudium entschieden, weil ich dachte: das ist ein ganz neues Feld für mich, das ist eine echte Herausforderung. Und das war es auch. Herausforderungen haben mich immer schon stark angezogen. Da während des Studiums meine zwei Töchter geboren sind, hat sich natürlich meine Ausrichtung völlig verändert und mein Interesse galt in der Zeit vor allem meinen Kindern. Erst als sie in der Schule waren, hab ich das Studium abgeschlossen und wollte dann aber nicht unbedingt in dem Berufsfeld bleiben, weil es ganz schwer mit Familie zu vereinbaren war. So hab ich mir verwandte Nischen gesucht und bin erst mal beim Theater gelandet.

Als ich Erwin kennen lernte, bin ich näher mit Film in Berührung gekommen und eher hat sich viel mehr ungeplant entwickelt, als dass wir uns bewusst dafür entschieden hätten, zusammen zu arbeiten. Mittlerweile tun wir das allerdings seit mehr als 10 Jahren ziemlich erfolgreich und es bewährt sich, weil wir uns gut ergänzen. Ganz sicher sind unsere oft sehr gegensätzlichen Ansätze ein fruchtbarer Boden für die Inhalte der Projekte.

 

Du arbeitest für eure Kinofilme und die Bücher dazu eng mit deinem Partner Erwin Wagenhofer zusammen. Wie vereinbarst du deinen Beruf mit deinem Privatleben/mit deiner Familie?

Da unsere Arbeit über lange Strecken intensiv ist, also es dauerhaft unseren vollen Einsatz braucht, fließen Beruf und Privates natürlich ineinander.

Klar ist das für uns als Paar eine große Herausforderung. Gerade dieses Projekt hat uns immer wieder an unsere Grenzen gebracht. Genau dadurch ist aber eine ganz neue Qualität entstanden. Wir waren ja gefordert, jeder für sich und auch gemeinsam, uns weiter zu entwickeln, weil die bisherigen Konzepte nicht mehr reichten, nicht mehr funktionierten.

So ist durch anstrengende Phasen auch eine starke neue Verbundenheit entstanden.

Zugleich ist es auch sehr bereichernd, mit so vielen inspirierenden Menschen – wie das in unserer Arbeit der Fall ist – zusammen zu treffen, mit denen wir ja intensiv Zeit verbringen, sodass auch daraus kostbare Freundschaften entstehen. Hier verbindet sich der Beruf mit dem Privaten auf ganz schöne Weise.

 

Was bedeutet Weiblichkeit für dich?

Es bedeutet für mich, dem Leben mit Offenheit und Weitblick zu begegnen. Es bedeutet für mich, mitfühlend zu sein und fürsorglich und zugleich wild und kraftvoll. Eben nicht einfach nur lieb und nett, wie viele von uns erzogen wurden. Ganz sicher heisst es auch, nicht everybodys darling sein zu wollen, sondern für was einzustehen, auch wenn es nicht allen gefällt.

 

Was bedeutet es für dich, eine starke Frau zu sein?

Es ist etwas, was ich eben selbst mehr und mehr lerne:

Liebevoll zu sein, mit anderen und vor allem auch mit mir selbst, Fehler machen zu dürfen, zu scheitern und trotzdem weiter zu gehen, Freude zu haben und zu feiern, auch wenn mal was weniger gut oder gar nicht gelungen ist. Es bedeutet, das was ist, anzuerkennen, und in bestmöglicher Weise damit umzugehen.

 

Am 15. November erscheint euer neuer Film „But Beautiful“ , in dem es um Menschen geht die einen Beitrag leisten zu einer zukunftsorientierten Welt. Was würdest du gerne auf dieser Welt verändern?

Klar, wir können alle nur uns selbst verändern und das ist auch schon die größte Herausforderung.

Was ich mir wünsche in der Welt, ist, dass viel mehr Menschen wieder spüren, dass wir alle miteinander verbunden sind. Dass es Wertschätzung gibt unter den Menschen und Respekt. Dass Frauen ihren natürlichen Platz auch im öffentlichen Leben einnehmen und nicht einfach die „besseren“ Männer sein wollen oder eben die Hilfskräfte.

Dass das Gemeinsame vor das Trennende kommt.

 

Was war bisher deine beste Entscheidung in deinem Leben?

Das Leben lässt sich für mich nicht auf eine beste Entscheidung reduzieren. Eher glaube ich, dass das Leben selbst oft die besten Entscheidungen getroffen hat für mich, die ich mir selber so gar nie hätte ausdenken können.

 

Was hilft dir, dich immer wieder zu motivieren? Hast du besondere Rituale?

Mein absolut wichtigstes Ritual ist die tägliche Laufrunde im Grünen. Essentiell dabei ist, dass ich alleine bin und dadurch ganz abschalten kann.

Das ist meine Meditation.

 

Wie findest du zu dir selbst, zu deiner Mitte?

Ich liebe es, in die Natur zu gehen. Oder auch, mich einfach für 1, 2 Tage ganz zurück zu ziehen. Oder auch völlig ausgelassen und bis zum Umfallen zu tanzen.

 

Sabine Kriechbaum

Wofür bist du dankbar?

Dankbar bin ich für so vieles:

Ich bin sehr dankbar, dass ich ein so privilegiertes Leben führen darf.

Unsere große vielfältige Patchwork-Familie ist ein ganz großes Geschenk für mich und all die wunderbaren Menschen nah und fern, die uns inspirieren, unterstützen und an unserer Seite sind.

 

3 Erkenntnisse, welche du vielleicht mit uns teilen magst?

Liebe ist nicht immer lieb (das hab ich von Karin Thoma)

Don`t quit the day before the miracle happened (Kenny Werner)

Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen. (Astrid Lindgren)

 

Wer oder was inspiriert dich?

Zuerst mal die Natur, der Wald, die Bäume.

Unsere Arbeit – weil sich immer Themen auftun, die uns völlig neu sind

Mein Partner, da wir so unterschiedlich sind, ist es nie langweilig

Unsere Kinder mit ihrem Lachen und ihrer gnadenlosen Kritik

 

Vielen Dank liebe Sabine!

 

Fotos:  Michael Liebert und Franzi Kreis