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Dana Sertel – Advanced Jivamukti Yogalehrerin

Liebe Dana, stell’ dich unseren Leserinnen doch einmal kurz vor. Wer bist du und was machst du?

Ich bin weiblich und viele nennen mich „Yogalehrerin“. Ich sehe meine Aufgabe vor Allem darin, anderen den Zugang zu ihrem Selbst zu erleichtern und zu „empowern“. In diesem Selbst liegt alles, was wir brauchen und uns wünschen. Es geht also darum Kräfte zu bündeln und einzusetzen – was ich darüber auf meinem Weg lerne, kann ich teilen.

Zugang und Akzeptanz des Selbst – mit allem was dazugehört – war auch für mich eine der größten Herausforderungen und ist es manchmal noch. Das „Selbst“ verstehe ich als das, was hinter allen Fassaden ist. Allen Rollen, Titeln, Pflichten und sonstigen Schichten, die wir überstreifen. Das heißt nicht, dass wir die nicht brauchen, doch manchmal vergißt man eben was der eigentliche Kern ist und tut so, als ob all diese Dinge total wichtig seien. Das „Selbst“ spricht mit uns durch Gefühle und Bedürfnisse. Eine Sprache, die zu verstehen gelernt werden will. Dieses Verstehen passiert bei mir viel durch Praxis. Das kann eine körperliche Praxis sein, oder auch eine Beziehungspraxis, eine Ernährungspraxis und und und… es gibt so viele Bereiche, die man als Praxis verstehen kann.

Das „machen“ passiert bei mir meistens in Form von Yogaklassen oder Einzelstunden, Retreats, Workshops oder Events. Meine zweite berufliche Seite ist Beratung von kleineren Marken/Unternehmen im Bereich Online Marketing – mein Beruf nach dem Studium. Auch hier finde ich durchaus noch eine gute Anwendung meiner Fähigkeiten. Es wird aber insgesamt weniger und ich benutze viel meiner Erfahrung auch für eigene Projekte. Auch mache ich hier keine Akquise, sondern die meisten Neukunden kommen über Empfehlung und ich bin ganz offen damit, dass Yoga die Priorität für mich ist. Da ein paar meiner Kunden aber selbst Yogastudios oder ähnliches sind ist das für die auch verständlich.

Wie bringst du Job und Privatleben unter einen Hut?

Das wüsste ich auch gerne. Ne, ernsthaft. Ich versuche so gut ich kann Sonntags freizumachen. Hat leider seit März nicht geklappt…
Es ist tatsächlich eine Herausforderung, aber mir ist Tiefe in einer Beziehung sehr wichtig, darum nehme ich mir Zeit. Ich sehe viele Freunde nicht sehr oft, dafür mache ich mit ihnen gerne Dinge, die Nähe schaffen. Zuhause besuchen, wegfahren, kochen, etwas gestalten – echte Intimität und Vertrauen eben. Und unter der Woche kommt es öfter mal zu spontanen Kochtreffs mit Freunden bei meinem Freund und mir in der Wohnung oder woanders. Meine Freunde wissen alle, dass ich am Wochenende oft arbeite und wenn sie mich sehen wollen am besten zum Yoga am Samstag kommen und danach mit mir essen. Und gelegentlich kommt mal ein schönes Ausgehwochenende dazu.

Was bedeutet Weiblichkeit für dich?

Weiblichkeit ist für mich sehr vielseitig. Es gibt eine Qualität die zulässt, annimmt und sich hingibt. Weich, fürsorglich, sinnlich. Und genauso eine Qualität die erschafft, Dinge vorantreibt, Passion lebt und in voller Kraft strahlt. Jeder – egal ob männlich, weiblich oder neutral – trägt diese Qualitäten in sich und wir können sie nach außen kehren.

Wie lebst du dein Frau-Sein?

Indem ich bin? Frau-Sein ist ja nicht optional für mich. Es ist einfach so. Und Pediküre natürlich. Ganz besonders als „Frau“ fühle ich mich, wenn ich ein Gegenüber habe, das in der männlichen Kraft strahlt. Also Yin & Yang Prinzip. Umgekehrt geht es auch.

Worin besteht dein Sinn des Lebens? Hast du eine Vision in dieser Welt?

Sinn des Lebens ist für mich zu leben. Mit allen ups & downs. Am besten mache ich mir davon ein Post-It auf den Spiegel. Eine Vision. Ich habe einen starken Antrieb mich gegen Diskriminierung und Unterdrückung und Selbsthass zu engagieren. Da werden bei mir alle Knöpfe gedrückt – diese Kraft möchte ich einsetzen. Wie das konkret aussieht ist noch offen.

Was war für dich bis jetzt die größte Herausforderung in deinem Leben?

Zu verzeihen.

Wie sieht dein Alltag aus? Hast du Rituale, die du uns verrätst?

Mein Alltag beginnt meistens mit Yoga. Entweder meine eigene Praxis oder eine Privatstunde. Ein Ritual, das mir Stabilität und Erdung gibt ist es mich einmal am Tag ans Harmonium zu setzen und zu chanten. Manchmal vergesse ich das und dann schleicht sich allmählich das Gefühl ein, dass etwas fehlt. Ein anderes Ritual, das ich sehr liebe, ist es mit meinem Partner zu kochen oder füreinander etwas zuzubereiten. Wir frühstücken basisch – Gemüse und kombinieren immer wieder neue Sorten zu einem richtigen Deluxe Salat mit Saaten, Mineralien, Gewürzen usw. – das ist ein sehr schönes Ritual, finde ich. Nicht ganz Ritual, aber sehr wichtig ist für mich zu tanzen und mich frei zu bewegen.

Welche Tools helfen dir, zurück in deine Mitte zu finden?

Meine Praxis. Chanten. Meditation. Stille. Alles rauslassen. Nicht unbedingt in der Reihenfolge.

Wofür bist du heute dankbar?

Dass ich Menschen in meinem Leben habe, die mich unterstützen und für mich da sind, egal was ist.

Was bringt dein Herz zum Lachen?

Wenn man seine Träume erfüllt.

Wo findest du Inspiration?

Im Alltäglichen finde ich viel Inspiration. Die Laune der Personen auf der Straße – besonders die negative – regt bei mir vieles an. Geschichten, die das Leben schreibt. Die schönen und die tragischen. Bei meiner Lehrerin Rima.

Was würdest du aus heutiger Sicht deinem 15-jährigen Selbst raten?

Es ist okay nach Hilfe zu fragen. Du musst nicht immer 100% geben. Hör auf zu vergleichen. Hab Vertrauen.