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Romana Delberg Yogawerkstatt Wien Yogalehrerin Ashtanga Yoga

Romana Delberg – Yogawerkstatt Wien

Liebe Romana, erzähl uns ein bisschen über dich. Was machst du beruflich?

Ich unterrichte seit 2005 Yoga und leite gemeinsam mit meinem Mann die Yogawerkstatt in Wien. Die Yogawerkstatt ist ein Sangha-orientiertes Yogastudio im zweiten Bezirk in Wien. Sangha bedeutet für uns gelebte Gemeinschaft. Ich unterrichte fast täglich im Rahmen unserer Mysore Einheiten in der Früh, und im Rahmen diverser Yogaausbildungen.

Yoga zu unterrichten ist für mich eine große Ehre, ich liebe, was ich mache, die Verbindung zu den Menschen, ihnen unvoreingenommen gegenüberzustehen und ihnen zur Seite zu stehen, sich selbst und ihre Möglichkeiten zu entdecken.

 

Wie sieht dein persönlicher Weg aus und wie bist du dorthin gekommen wo du jetzt gerade stehst?

Yoga zu unterrichten hat damit begonnen, dass ich Yoga geübt habe und im Zuge meines körperlichen Übens meinen Geist und meine Konditionierungen/Neurosen wahrnehmen gelernt habe. Das hat mich dermaßen beeindruckt, dass die Entscheidung ein Teacher Training zu machen die logische Konsequenz war. Tiefer in das Yoga einzutauchen, es weiterzugeben und einen Raum dafür zu schaffen, fühlt sich für mich an, als wäre es immer schon ein Teil von mir gewesen, zu dem ich erst via großen Umwegen zurückfinden musste.

Ich habe über die letzten 22 Jahre viele Yoga-Trainings besucht, viel geübt, viel hinterfragt, viel weitergeübt, und wiederum viel hinterfragt. Besonders wichtig war mir meine Neugier zu kultivieren. Früher dachte ich stets, ich wüsste Bescheid, man kann mir nichts vormachen. Jetzt mit 50 weiß ich, dass ich im Grunde ganz wenig weiß und daher neugierig und offen sein darf. Das ist herrlich so. Ich denke, der Beruf ist wie das Leben, ein Weg, wir kommen nie an, haben nie ausgelernt. Das Leben ist stets im Wandel.

Romana Delberg Yogawerkstatt Wien Yogalehrerin Ashtanga Yoga

Wie vereinbarst du dein Unternehmen mit deinem Privatleben/mit deiner Familie?

Das ist eine sehr gute Frage über die ich bereits viel nachgedacht habe. Ich habe zwar keine Kinder, aber das heißt nicht, dass ich keine Familie hätte. Ich habe ein volles Leben, mit viele Menschen, Tieren und Pflanzen drin. Diese Beziehungen wollen alle gepflegt und gehegt werden. Ich habe aufgehört mein Leben in Arbeitsleben und Privatleben aufzuteilen, sondern betrachte alles als einen sich stets wandelnden Fluss. Mal braucht die Yogawerkstatt sehr viel Aufmerksamkeit und Liebe, mal mein Mann, mal meine Eltern, dann wieder Freundschaften oder mein Garten, oder meine Stille und Alleinsein.

 

Was bedeutet Weiblichkeit für dich?

Ich konnte nicht schwanger werden und war in einer verfrühten Menopause – mit dieser herausfordernden Situation kam für mich naturgemäß ein intensives Forschen nach meiner Weiblichkeit und meiner Rolle als Frau. Das Weibliche in mir ist nährend, ausgleichend, lustvoll, dem Leben zugewandt, kreativ, aber auch kompromisslos und unkontrollierbar. Wenn es in Wut und Rage gerät, kann es nichts beschwichtigen und zurückhalten. Ich bin von Natur aus ein tendenziell empathischer, mütterlicher Typ, ich musste lernen, meinen Zorn und meine Wut als einen Teil von mir anzunehmen. Diese wilderen Seiten haben mich gelehrt auf wichtige Bedürfnisse zu hören und diese nicht zu übergehen.

 

Was bedeutet es für dich eine starke Frau zu sein?

Zum Einen meine Stärke überhaupt wahrzunehmen, was ja wiederum damit zu tun hat, alle verborgen gehaltenen Aspekte meines Wesens anzunehmen und nicht zu dissoziieren oder auf andere zu projizieren. Meine oberste Priorität ist es, dem von der Mainstream-Kultur normierten Weiblichkeit-Bild zu trotzen. Die Frau soll umgänglich sein, lieb und schön und jung anzuschauen sein. Gesellschaftlich wurde den Frauen viele tausend Jahre eine sehr eingeschränkte Rolle auferlegt. War sie nicht gefügig und umgänglich wurde sie verbannt oder verbrannt.

Die Unterdrückung der Frau und der weiblichen Kraft zieht sich durch alle Kulturen. Wir leben in einer außergewöhnlichen Zeit und natürlich auch auf einem privilegierten Flecken Erde, wo wir Frauen unsere Weiblichkeit erforschen und uns neu definieren können. Dazu gehört vor allem, dass wir lernen einander nicht mit Missgunst, Neid und Gehässigkeit zu begegnen, sondern einander in Solidarität zu fördern und unsere Kraft zurückerobern.

 

Worin besteht dein Sinn des Lebens? Hast du eine Vision in dieser Welt?

Es ist die Vergänglichkeit, die unserem Leben den Sinn gibt. Ich will daher vorallem MEIN Leben leben. Ich möchte nicht am Ende meines Lebens draufkommen, dass ich nach den Erwartungen anderer gelebt hätte (ist auch recht unwahrscheinlich).

Ich will meinen Beitrag zu einem erwachenden allgemeinen Bewusstsein leisten, dass die großen (Er-)Lösungen nicht im Außen, sondern nur in uns selbst zu finden sind. Diese Innenschau führt unweigerlich zur Erkenntnis, dass wir es selbst sind, die unsere Realität erschaffen.

Romana Delberg Yogawerkstatt Wien Yogalehrerin Ashtanga Yoga

Was war für dich bis jetzt die größte Herausforderung in deinem Leben?

Angewohnheiten und Verhalten loslassen, die mir (und anderen) nicht mehr gut tun oder sogar schaden. Das ist immer noch eine Herausforderung in meinem Leben, dieses Projekt ist nie abgeschlossen, da sich ja stets alles wandelt. Etwas, das mir heute gut tut, kann mir morgen schon schaden.

 

Was hilft dir dich immer wieder zu motivieren? Hast du besondere Rituale?

Den Tag in Dankbarkeit zu beginnen, täglich in die Natur gehen und ihr zuzuhören, kalt duschen oder ins Wasser springen, im Auto laut Musik hören und mitsingen, Mantren rezidieren, meinen Mann bitten mich aufzurichten.

 

Wie findest du zu dir selbst, zu deiner Mitte? Welche Rolle spielen Yoga und Meditation dabei?

Yoga, Meditation, Pranayama, meine Gedanken auszurichten. Ich habe ein Mantra, das ich mir oft und viel sage. Ja und manchmal bin ich einfach nicht in meiner Mitte.

 

Wofür bist du dankbar?

Ich bin dankbar dafür, dass meine Eltern mich sein haben lassen;
ich auf den Weg gefunden habe, den ich gehe;
ich so einen grandiosen Lebensmenschen an meiner Seite habe;
ich so vielen tollen Menschen begegne;
ich in einem Land lebe, wo Frieden herrscht;
ich auf einen Schalter drücke und das Licht geht an;
ich warmes Wasser aus einem Hahn habe;
meine Hunde so super Freunde sind;
die Lobau in meiner Nähe ist;
Richard Freeman & Mary Taylor so grandiose Yoga-Eltern sind;
Und vieles, vieles mehr…

 

Hast du persönliche Erkenntnisse, die du mit uns teilen magst?

Wir kreieren unsere Realität: es ist von oberster Bedeutung unglaublich aufzupassen, was wir denken, womit wir uns befassen, was wir sagen. All das trägt zu unserer und der kollektiven Realität bei.

LIEBE ist tatsächlich die Antwort und zwar auf fast alle Fragen: was ich nicht aus Liebe und in Liebe sagen und tun kann, sollte besser ungesagt und ungetan bleiben. (Wenn sich da mehrere Leute dran halten würden, wäre dem Planeten, den Menschen, der Natur und den Tieren gedient)

Mit dem Herzen zuhören.

Für andere hilfreich und empathisch zu sein, hilft mir meiner Selbstbezogenheit bewusst zu werden und es macht mich glücklicher, als sich wenn ich mich selbst stets ins Zentrum meiner Gedanken und Handlungen setze

 

Wer oder was inspiriert dich?

Ich muss sagen, dass mich täglich viele Begegnungen total inspirieren. Es fällt mir sehr leicht in vielen meiner alltäglichen Begegnungen Inspiration zu finden.
Meine Yoga (und Lebens-)Lehrer Mary Taylor und Richard Freeman, weil sie zwei unglaublich weise, empathische Bodhisattvas sind.
Mein Mann, weil er einen initiativen Spirit hat.
Meine weise Freundin Dorien, die mit ihren 72 Jahren fast unendliche Quellen von Elan und Energie hat, und mit Weisheit nur so um sich wirft.

 

Danke für dieses so ehrliche und berührende Interview, liebe Romana!

 

yogawerkstatt.at
instagram.com/yogawerkstatt_vienna