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Dominique Torres – Psychotherapeutin

Erzähl uns ein bisschen über dich. Was machst du beruflich?

Ich habe fast 20 Jahre in der Werbung gearbeitet, und dann entschieden, nochmal etwas ganz Neues zu beginnen. 2014 habe ich die Ausbildung zur Psychotherapeutin begonnen und bin jetzt kurz vor meinem Abschluss. Ich arbeite derzeit also als „Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision“ seit Ende 2017 in selbständiger Praxis. Das bedeutet, dass ich mit der theoretischen Ausbildung seit 1½ Jahren fertig bin und jetzt mit PatientInnen/KlientInnen selbständig arbeite. Nach 650 Stunden mache ich dann bald meinen Abschluss.

Wie sieht dein persönlicher Weg aus und wie bist du dorthin gekommen wo du jetzt gerade stehst?

In meinem alten Job mochte ich die Arbeit mit kreativen Menschen. Die Abwechslung. Den menschlichen Zusammenhalt im Team, auch wenn’s oft sehr stressig war. Mit meinem privaten Kinderwunsch hat sich das allerdings irgendwann gespießt. Für’s Privatleben blieb zu wenig Zeit (und auch inhaltlich hat mir irgendwann einiges gefehlt).

Der ständige Stress war für den Kinderwunsch natürlich nicht hilfreich, und es war letztendlich ein langer Weg. Ich wollte mich nicht entscheiden müssen, ob mir Familie oder Job wichtiger ist. Das hat mich letztendlich zu meiner Entscheidung geführt, die Ausbildung zur Psychotherapeutin zu machen. Die letzten 3 Jahre in der Werbung habe ich dann selbständig gearbeitet, um daneben die Ausbildung zu machen. Und mitten in der Ausbildung sind dann vor 3 Jahren meine Kinder auf die Welt gekommen.

 

Wie vereinbarst du dein Unternehmen mit deinem Privatleben/mit deiner Familie?

Einer der Vorteile der selbständigen Arbeiten ist ja, dass ich mir die Zeit ganz gut selbst einteilen kann. Meine Zwillinge sind jetzt 3 Jahre alt, und wenn Sie mich gerade mehr brauchen, dann nehme ich eben eine Zeit lang keine neuen KlientInnen an. Job und Familie unter einen Hut zu bekommen, wird immer eine Herausforderung bleiben, aber jetzt ist es MEINE Entscheidung, und ich habe die Freiheit beruflich kürzer zu treten, wenn es sich gerade besser anfühlt.

Was bedeutet Weiblichkeit für dich?

Für mich bedeutet es, gerne eine Frau zu sein. Mit allem was dazu gehört.

 

Was bedeutet es für dich eine starke Frau zu sein?

Ich tu mir mit dem Begriff „starke Frau“ ein bisschen schwer. Die Beschreibung bekommt eine Gewichtheberin genauso, wie auf eine Frau, die schreckliches Leid ertragen musste, und daran nicht zerbrochen ist.

Ich kann’s also nur für mich beantworten und ich selbst fühle mich dann stark, wenn ich nicht gegen mich selbst ankämpfe. Immer dann, wenn ich mich mag, und das annehmen kann, was gerade ist. Wenn ich genießen kann. Und wenn ich lachen kann.

 

Worin besteht dein Sinn des Lebens? Hast du eine Vision in dieser Welt?

Wertvolle Begegnungen erfüllen mich.
Ich selbst versuche aus möglichst allen Begegnungen etwas Positives mitzunehmen. Aus vielen, weil sie wunderschön, lustig oder bereichernd sind. Aus anderen, weil sie meine Gelassenheit fordern, oder mir helfen, mich auf das Wesentliche zu fokussieren.
Und für die Menschen, die ich treffe wünsche ich mir, dass sie umgekehrt auch etwas für sich mitnehmen können.
Ich wünsche mir, dass Menschen sich gegenseitig unterstützen, sich respektvoll begegnen, sich wertfrei füreinander interessieren und sich inspirieren können.

 

Was war für dich bis jetzt die größte Herausforderung in deinem Leben?

Nach der Trennung von meinem Ex-Mann (mit damals 1-jährigen Zwillingen) eine funktionierende, respektvolle und liebevolle Patchwork-Familie zu gestalten.

Wir kannten beide so viele Horrorgeschichten von Trennungen, bei denen im ewigen Rosenkrieg vor allem Kinder leiden. Das wollten wir auf keinen Fall. Aber wir hatten auch nicht wirklich positive Vorbilder. Also haben wir etwas Neues ausprobiert und unser gemeinsames Leben so gestaltet, dass es unseren Vorstellungen gerecht wurde.

Das Kernelement dabei ist, dass wir die gemeinsame Wohnung als Homebase für die Kinder behalten haben, und wir (also die Eltern) pendeln. Inzwischen weiß ich, dass es einen Namen dafür gibt. „Nesting“, weil die Küken im Nest bleiben, während die Eltern sie gemeinsam oder abwechselnd versorgen.

Und das respektvolle und liebevolle Miteinander, das wir uns gewünscht haben, ist uns – inzwischen auch mit jeweils neuen Partner – auch gelungen.

 

Was hilft dir dich immer wieder zu motivieren? Hast du besondere Rituale?

Was mich motiviert, ist die Erkenntnis, dass Kinder nicht von dem Lernen, was man ihnen sagt, sondern von dem, was man ihnen vorlebt. Wenn ich mich durch die Augen meiner Kinder beobachte, spüre ich sofort, was ich an mir mag, und was ich ändern möchte. Das ist jetzt kein „Ritual“, aber ich versuche mir regelmäßig kurz Zeit für diesen Perspektivenwechsel zu nehmen. Das relativiert viel, und ich habe den Fokus schnell wieder auf dem Wesentlichen.

 

Wie findest du zu dir selbst, zu deiner Mitte?

Ich höre und spüre mich selbst am besten, wenn ich mich kurz „rausnehme“. Das kann in der Natur sein. Oder beim Yoga. Dafür finde ich zugegebenermaßen nicht so oft Zeit, wie ich es gerne hätte, aber ich merke jedesmal, wie gut es mir tut.

 

Wofür bist du dankbar?

Natürlich für meine glückliche Patchwork-Familie und unsere Gesundheit. Für meinen Partner und für meinen Ex-Mann, die aus unserem „Versuch“ so etwas Wundervolles gemacht haben. Für meine Kinder. Aber auch für meine eigene Kindheit, die mir soviel Vertrauen und Sicherheit gegeben hat, dass es nie ein großes Risiko für mich war „mutig“ zu sein.
Und für mein durch und durch sonniges Gemüt.

 

Hast du persönliche Erkenntnisse, die du mit uns teilen magst?

– Wer nachtragend ist, verletzt hauptsächlich sich selbst (aber lerne daraus)
– Wenn ich für etwas kein Vorbild habe, dann habe ich die Freiheit, etwas Neues zu schaffen.
– Sei brutal ehrlich. Über dich, deine Wünsche und deine Bedürfnisse. Alles andere schadet nicht nur dir selbst, sondern auch den Menschen, die du aus falsch verstandener Rücksichtnahme eben nicht verletzen wolltest.

 

Wer oder was inspiriert dich?

Meine Klientinnen. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie Menschen an Krisen wachsen können und welche Stärken sie daraus entwickeln.
Menschen, die entgegen aller Erwartungen oder Erfahrungen ihren eigenen Weg gehen (eigentlich wollte ich schreiben „mutig/unbeirrt ihren Weg gehen“, aber so ist ja nicht). Man ist selten unbeirrt. Und man hat mega Schiss. Den Weg trotzdem zu gehen inspiriert!

Und meine Kindern, von denen ich täglich lerne, mehr im Hier und Jetzt zu sein.

 

Danke für deine offenen Worte und dieses schöne Interview, liebe Domino!

 

torres.co.at